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Galerie

An Bord
waren neunhundertsiebenunddreissig.

Wir lassen sechs Karten heraus aus dem Stapel. Manche sind belegte Personen, manche Kompositfiguren des Romans. Beide gehören zur Geschichte — Kehlmanns Verfahren beruht darauf, sie nicht auseinanderzuhalten.

Karte · 01

Aaron Pozner

Hebräischlehrer

„Ein armer Hebräischlehrer“, kurz vor der Abfahrt aus Dachau freigekommen. Eine der Stimmen, durch die das Bordleben erzählt wird. Sein Tagebuch überdauert — „nur deshalb weiss man, dass es mich gegeben hat“.

Schicksal

In Auschwitz vergast. Was aus seiner Familie wurde, ist nicht bekannt.

Bei Kehlmann · auf historische Belege gestützt

Karte · 02

Max & Elise Loewe

Passagiere

Max, Rechtsanwalt, versucht im Hafen von Havanna, sich das Leben zu nehmen. Er wird gerettet, in ein kubanisches Krankenhaus gebracht. Elise muss zurück aufs Schiff.

Schicksal

Elise kommt nach England, „zwar fielen jeden Tag Bomben auf London, aber mich traf keine“. Max überlebt den Krieg nicht — Herzversagen, Mitte 1942: „es war alles zu viel“.

Bei Kehlmann · pointiert gezeichnet

Karte · 03

Fritz & Babette Spanier

Passagiere · Arzt und Ehefrau

Die Spaniers gehen in Holland von Bord — „offenbar war das nicht ihre Wahl gewesen“. Im Lager Westerbork wird Fritz Chefarzt des Krankenhauses: „Wen ich aufnahm, galt als transportunfähig. Wem ich die Aufnahme verweigerte, der fuhr in den Tod.“

Schicksal

Beide überleben. Fritz eröffnet nach dem Krieg eine Praxis in Düsseldorf. 1950 lassen sie sich scheiden.

Bei Kehlmann · mit besonderer moralischer Schärfe

Karte · 04

Marianne Bardeleben

Passagierin · Kind

Kommt mit der Mutter nach Frankreich, dann im Konvoi über den Atlantik — „die meisten wurden von deutschen U-Booten versenkt“. Wird in Ellis Island festgehalten wegen Würmern und Läusen, kahlrasiert, Jod auf den Wunden, „es brannte wie Feuer“.

Schicksal

Überlebt. „Wir hatten Glück.“ Der Vater hatte aus Havanna jemanden bestochen.

Bei Kehlmann · Komposit aus mehreren Kinderpassagieren

Karte · 05

Leo Jockl

Kellner an Bord · Halbjude

Kellner an Bord der St. Louis, Halbjude. Kommt nicht ins Lager, wird zur Marine eingezogen. 1941 verliebt er sich auf Fronturlaub. Er gesteht dem Mädchen, dass er Halbjude ist. Sie sagt, es mache ihr nichts. Aber ihre Mutter zeigt ihn an.

Schicksal

Zwangsweise zum Minensuchdienst. November 1944, nahe Athen, von einem amerikanischen Tiefflieger getötet.

Bei Kehlmann · nach realen Begebenheiten

Karte · 06

Otto Bergmann & Tante Charlotte

Passagiere

Tante Charlotte will partout nach Frankreich, zur Kusine nach Nizza — „papperlapapp“, lässt sich nicht herumkommandieren. Bergmann folgt ihr, statt nach England zu gehen.

Schicksal

Bergmann: in Frankreich „sofort als feindlicher Ausländer“ interniert, als der Krieg erklärt wird. Tante Charlotte versteckt sich bei der Kusine in Nizza — „dann hatte ich noch mehr Glück und starb“.

Bei Kehlmann · stellvertretend für die Wahl, die alle treffen mussten